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Ohne Dich

Wusstet ihr, dass Hurts ein deutsches Lied haben? Ich weiß es jetzt jedenfalls: Ohne dich, ein Cover des Songs von Selig. Bei Selig denke ich dann an Unheilig und bei Unheilig daran, dass er ja jetzt aufhört zu singen, „wenn es am schönsten ist“. Eigentlich mochte ich den Grafen noch nie wirklich, deshalb ist das auch nicht schlimm. Aber irgendwie war er doch mal etwas Anderes in der deutschen Musikszene. Und bei Unheilig denke ich an seinen Auftritt am Samstag bei der letzten Show von Wetten, dass..? und das macht mich dann wirklich traurig, weil das Ende von Wetten, dass..? schließlich einen tragischen Grund hat und es außerdem eine Sendung war, die irgendwie dazu gehörte.

Aber um all das geht es hier überhaupt nicht - das wollte ich nur mal loswerden -, sondern um Hurts und ihr deutsches Lied. Sind die nicht eigentlich Engländer? Schnell bei Wikipedia geschaut: Ja, sind sie. Dann ist ihr Deutsch aber ziemlich gut. Und das Lied auch. Passt zu ihnen. Irgendwie traurig, melancholisch, aber nicht akustisch, sondern mit Synthesizern und was auch immer im Hintergrund. Typisch Hurts eben - trotz der anderen Sprache. Die Version von Selig bei TV Noir dagegen ist leidender, akustischer und eben live.

Welche Variante gefällt euch besser?

Spenden ist uncool?

Spenden ist uncool. Und Songs, deren Einnahmen gespendet werden sind noch uncooler und nicht mehr zeitgemäß; trotzdem sei es gut, dass es gemacht wird, schreibt die ZEIT. Was ist das denn für ein Quatsch? Wann waren Spendenlieder denn bitte zeitgemäßer? Heute machen wir Crowdfunding und bekommen etwas im Gegenzug, auch wenn es nur eine Postkarte ist. Das ist eine Symbolik, vollkommen zeitgemäß und überhaupt nicht uncool. Genauso wenig ist es uncool, dass die deutsche Pop-Elite mit ihrem Lied für Ebola die zum Spenden bringt, die sonst vielleicht nicht spenden würden. Einen Song, bei dem Sänger von Campino bis Milky Chance mitsingen ist sogar mehr als eine symbolische Gegenleistung für eine Spende von 1,29€. Würde man sich nicht eigentlich komisch vorkommen, einen so kleinen Betrag zu spenden? Ja, würde man. Aber wenn man ein Lied kauft, ist das ein ganz normaler Betrag und überhaupt nicht komisch. Und 1,29€ sind immer noch besser als nichts. Außerdem: Wenn man mal ehrlich ist, ist das deutsche Lied doch ziemlich gut geworden. Das englische übrigens auch.

Allein, aber nicht einsam

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Für all die, die jemanden vermissen. Für all die, die nachts durch verlassene Straßen fahren. Für all die, die sich an einen anderen Ort träumen. Für all die hat Eva eine Playlist: ihr Mississippi-Roadtrip-Soundtrack.

Eva ist freie Journalistin und war während ihres Studiums auch bei Welle20 aktiv. Momentan ist sie in den USA unterwegs; sozusagen ein Auslandseinsatz. Über alles, was sie dort - und auch sonst - erlebt und bewegt, schreibt sie auf ihrem „Hurra-Blog“ und daher kommt auch diese Playlist.

„Ich war allein, aber nicht einsam.“, schreibt sie über die Nacht, als sie durch Mississippi fuhr.

Die Jungs vom See

Und plötzlich waren sie berühmt, die beiden Jungs vom See. Das Produzenten-DJ-Duo „Lakechild“ hatte den Song Grizzly Bear von Angus & Julia Stone gemixt, den Angus & Julia Stone wiederum so gut fanden, dass sie ihn auf Facebook teilten. Dann ging alles ganz schnell: Ein Vertrag auf dem Schreibtisch, den sie unterschreiben sollten, damit Universal Music den Mix vertreiben darf. Jetzt können wir ihn auf iTunes kaufen, auf Spotify hören und auf Youtube sehen.

Aber warum denn Lakechild? Und wer sind die beiden Jungs eigentlich? Seit ihrer Schulzeit kennen sich Dominik und Nico und schon immer haben sie Musik zusammen gemacht. Heute wohnen beide am See, allerdings nicht an demselben. Während Nico am Bodensee wohnt und studiert, lebt Dominik in Zürich am Zürichsee. Die Liebe zur Musik und zum See verbindet die beiden; so sehr, dass sie sich Mitte 2014 zusammengetan, „Lakechild“ genannt und einfach mal Musik produziert haben.

Und natürlich ist Grizzly Bear nicht das einzige, was die beiden können. Für den windigen Herbst und den kalten Winter haben sie schon mit einem Remix von Featherstone der Band The Paper Kites vorgesorgt: ein weiterer großer Erfolg mit 30.000 Klicks auf Soundcloud in nur einer Woche. „Herzschmerz, Sommererinnerungen und Liebe“, beschreibt Nico das neue Werk. Besser hätten wir es auch nicht sagen können. Also Augen schließen und dahinschmelzen…

Album der Woche: Egotronic - Die Natur ist dein Feind

– 17.03.2014 –

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"Ich liebe die Dunkelheit, aber ich hasse die Natur!" So wird der Hörer auf der neuen Platte der - besezungstechnisch doch recht flexiblen - Elektropunk-Combo Egotronic begrüßt. In dieser Rezension geht es ein wenig sentimental zu, nicht zuletzt deswegen, weil es 2007 ein Egotronic-Konzert war, das mich zum Musiknerd machte. Seitdem sind einige Jahre ins Land gegangen, was man auch am neuen Opus Magnum von Mastermind Torsun Burkhardt hören kann. Der Sound ist reifer, als je zuvor. Irgendwie back to the roots, viel analoger, als gewohnt. Alles in allem punkiger und kantiger als die Vorgängeralben und doch wirkt das Album so viel runder und weniger sperrig. Auch textlich hat sich einiges getan: kryptischer geht es zu und generell wird sich wesentlich häufiger auf der Meta- Ebene bewegt: so werden beispielsweise im Titeltrack "Die Natur ist dein Feind" aus anfänglichem Vogelgezwitscher schrille synthetische Töne, die als Zeichen der Vergänglichkeit und auch der Möglichkeit der Immitation bzw. Konstruktion von allem natürlichen verstanden werden können. Desweiteren bekommt so ziemlich jeder sein Fett kritikmäßig weg: "Gutmenschen", diejenigen, die den Terminus "Gutmenschen" abschätzig nutzen, identitäre Bewegungen jeder Art und stolze Deutsche sowieso. So konstant diese Haltung auch sein mag, man ist auch in dieser Hinsicht erwachsener geworden, so scheint mir. Wo 2007 noch plakativ gegen Deutschland geraved wurde, stehen heute Tracks, wie "Nicht dazu gehör'n" oder auch "Raubzüge", die zwar den typischen Egotronic-Charakter vertonen, allerdings eine klare Evolution veranschaulichen.
Politisch geht es natürlich immer zu: mit Deutschland liegt man immer noch im Klinsch und Frieden wird da auch nicht mehr geschlossen. Die Kritik an der Band Frei.Wild, die mit ihrem nationalistischen Flair immer wieder für Aufsehen sorgt, kommt natürlich auch nicht zu kurz: mit dem Song "Band der Vollidioten" wird hier eine wunderschöne Schmähhymne auf Patriotismus und Nationalismus geliefert.
Im auch auf der Platte befindlichen Cover des Dackelblut-Klassikers "Edwin Van Der Sar" werden die beiden Hauptthemen Natur und fröhlich-freches Deutschland-bashing zusammengeführt: Nun wünscht man sich eine "Naturkatastrophe nur für Deutschland", die (metaphorisch gesprochen) schon lange überfällig ist...
Das Fazit eines Egotronic-Groupies vermag höchstwahrscheinlich nicht sonderlich zu überraschen: Eine geniale Platte, die mit Referenzen und Querverweisen arbeitet und auch einen gewissen selbsttherapeutischen Mehrwert zu besitzen scheint. Egotronic sind erwachsen! So schön kann das also klingen.

Album der Woche: Milky Oaks - Howl

– 10.03.2014 –

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Aus Berlin kommt ein Album, dessen Herkunft man viel eher in den entlegensten Winkeln der Welt vermuten würde. Und irgendwie ist dem auch so: Mighty Oaks ist eine Band bestehend aus drei jungen Männern, die zwar alle in Berlin ansässig sind, jedoch auch aus drei verschiedenen Ländern (USA, UK, Italien) in die pulsierende Hauptstadt gefunden haben. Auf ihrem Debütalbum "Howl" präsentieren sich die drei als ganz und gar optimistische Weltenbummler. Und so ist auch ihr Sound angehaucht von einem Flair, das so viel Fernweh verursacht, dass man sich wünscht es wäre doch schon Sommer, das Auto stände vollgetankt und bis zum Anschlag bepackt in der Einfahrt und warte nur darauf endlich gen Abenteuer losgesteuert zu werden.
Bereits der erste Track "Brothers" verursach Gänsehaut. Der Rest des Albums steht diesem epochalem Eingang in nichts nach. Beinahe jeder Song ist ein Juwel, das die Komposition der Platte bereichert und auch immer mal wieder melancholische Töne anklingen lässt ("When I Dream, I See"), die Lebenslust jedoch nie aus den Augen verliert. Bestes Beispiel ist der Song "Just One Day", der getragen und energisch zugleich klingt. Dass das Album bei aller Großspurigkeit doch ganz und gar Bodenständig klingt ist nicht selbstverständlich und zeugt von der Passion, die die drei Musiker in ihre Songs legen.
Der Soundtrack zum Pferde stehlen - um mal ganz tief in die Klischee- und Plattitüden- kiste zu greifen.

welle20.de - Relaunched

– 06.03.2014 –

Es ist also vollbracht! Nach mehreren Monaten ohne wirkliche Web-Präsenz erstrahlt die neue digitale Heimat in nie zuvor gekanntem Glanz.

Das "leicht" angestaubte Design wurde über Bord geworfen und neuer Content in Nacht-und-Nebelaktionen zusammengeschustert. Nun stechen wir also mit neuem Elan in See, bereit die Herzen von Menschen zu erobern, denen diese Plattitüde ein genervtes Augenrollen entlocken konnte. Von nun an also Multimedialer Overkill, wie sich das für das 21te Jahrhundert gehört, Baby! In diesem Zuge nochmals vielen, vielen Dank an alle Beteiligten, vor allem an Jonathan und Lennart für dieses aufregend neue Design und die IT-Kenntnisse, die sich uns anderen nur allzu häufig entzogen. Danke auch an Florian, der mit den neuen Fotos von gewaschenen und gestriegelten - nennen wir sie - Menschen, ebenso für neue Frische gesorgt hat! Danke auch an alle für die Geduld, die uns entgegengebracht wurde.

byebye

So, ich gehe mir jetzt die Tränen aus dem Gesicht schmieren und ihr schaltet verdammt noch mal ein!

Album der Woche: The Notwist - Close to the Glass

– 24.02.2014 –

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Eine verstörend dynamische Folge von Tönen eröffnet das neue Werk von The Notwist, das den verheißungsvollen Titel "Close To The Glass" trägt. Verheißungsvoll deswegen, weil dem gesamten Album ein bittersüßer Geschmack zu eigen ist, wie etwa die Ruhe vor dem Sturm, oder ein Augenblick vor dem Aufprall.
Bereits der erste Titel "Signals" wirft den Hörer hinein in eine Welt voller Dissonanzen und gebrochener Rhythmen, die, gepaart mit der charmanten Stimme von Frontman Markus Acher, eine psychedelisch/dystopische Atmosphäre erzeugen.
Die gesampelten Sounds wirken wie das Mantra einer vor Lethargie bloß so strotzenden Post-Moderne. Eine gewisse Ambivalenz zwischen Nostalgie und Weitblick, die sich in jedem einzelnen Fragment der Platte zeigt, kann nicht geleugnet werden.
Zwischen allen Experimenten, die sich auf "Close To The Glass" präsentieren, findet sich aber sehr wohl Platz für eingängigere, ruhige Tracks, wie etwa "Casino". Solche Passagen dauern allerdings niemals länger als eine durchschnittliche Songlänge von etwa drei Minuten und müssen letztlich wieder zurückstecken zugunsten wesentlich progressiverer Stücke.
Trotz allem, oder gerade deswegen, macht das oszillierende Moment dieses Album zu einem, das sich nicht verstecken muss, obwohl es vielleicht gerade das seine Intention ist. Der Labelwahnsinn von Post-Punk bis Folk will hier partout nicht greifen. Und das ist auch gut so! Wenn man den Klang dieses Werkes adäquat beschreiben wollte, könnte man ihn als experimentell elektronisch angehauchten Indie-Rock bezeichnen, der, zugegebenermaßen, zunächst etwas befremdlich bis gewöhnungsbedürftig erscheint, den Hörer aber von Sekunde eins an, auf magische Art und Weise, in seinen Bann zieht. Doch selbst diese Beschreibung wäre zu einengend...
Der teils dezente, teils sehr auffällige Einsatz von Elektronik macht aus diesem Album ein einzigartiges Juwel, das in keiner Plattensammlung fehlen sollte. Ein Rest Wintermelancholie an immer länger werdenden Tagen.

Album der Woche: Die Nerven - fun.

– 10.02.2014 –

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Spaßig geht es zu bei Max Rieger, Kevin Kuhn und Julian Knoth. Zumindest, wenn man nach dem neuen Titel ihrer nun schon zweiten Platte "fun" geht.

Höchst kryptisch präsentieren sich "Die Nerven" textlich als auch düster wie die musikalische Untermalung. Titel wie "Blaue Flecken" kommen kantig und irgendwie auch schmutzig daher und verleihen dem Album einen gewissen Punk-chic, der manchen vielleicht zu Post sein wird, jedoch einfach super passt, wenn man sich drauf einlässt. Der Soundtrack zum Gefahrengebiet, zum Aufdrehen bei der nächsten Verkehrskontrolle oder einfach nur um all die negativen Energien einmal in konstruktive Bahnen zu lenken.

Nichts für schwache Nerven...

Album der Woche: Young Fathers - Dead

– 03.02.2014 –

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Aus dem Hause Anticon ist man ja bekanntlich Qualität gewohnt. Man nehme z.B. Acts, wie Why?, 13 & Ghost, Alias & Tarsier oder auch Son Lux. Young Fathers bilden da keine Ausnahme. Bereits mit ihren zwei Mixtapes (bezeichnender Weise "Tape One" und "Tape Two") zeigten die drei Schotten, dass sie die Melange aus abstraktem Hip Hop, experimentellem Indie-Pop und Afrobeat beherrschen, wie sonst kaum jemand. Ihr Debut- Album beginnt gewohnt kantig und arbeitet sich Schritt für Schritt bis in psychedelische Sphären vor. "Just Another Bullet" wartet mit einem extrem dubbigem Beat auf, über den die Lyrics wie ein quasi-religiöses Mantra daher fließen.

Abgehackte Rap-Parts allererster Güteklasse wechseln sich mit intensiven Gesangspassagen ab und kreieren so einen Sound, der sich nicht zu verstecken braucht, das aber ohnehin nicht vorzuhaben scheint.
So muss ein innovatives Album klingen! "Get up and have a party!"