Album der Woche: The Notwist - Close to the Glass

– 24.02.2014 –

cover

Eine verstörend dynamische Folge von Tönen eröffnet das neue Werk von The Notwist, das den verheißungsvollen Titel "Close To The Glass" trägt. Verheißungsvoll deswegen, weil dem gesamten Album ein bittersüßer Geschmack zu eigen ist, wie etwa die Ruhe vor dem Sturm, oder ein Augenblick vor dem Aufprall.
Bereits der erste Titel "Signals" wirft den Hörer hinein in eine Welt voller Dissonanzen und gebrochener Rhythmen, die, gepaart mit der charmanten Stimme von Frontman Markus Acher, eine psychedelisch/dystopische Atmosphäre erzeugen.
Die gesampelten Sounds wirken wie das Mantra einer vor Lethargie bloß so strotzenden Post-Moderne. Eine gewisse Ambivalenz zwischen Nostalgie und Weitblick, die sich in jedem einzelnen Fragment der Platte zeigt, kann nicht geleugnet werden.
Zwischen allen Experimenten, die sich auf "Close To The Glass" präsentieren, findet sich aber sehr wohl Platz für eingängigere, ruhige Tracks, wie etwa "Casino". Solche Passagen dauern allerdings niemals länger als eine durchschnittliche Songlänge von etwa drei Minuten und müssen letztlich wieder zurückstecken zugunsten wesentlich progressiverer Stücke.
Trotz allem, oder gerade deswegen, macht das oszillierende Moment dieses Album zu einem, das sich nicht verstecken muss, obwohl es vielleicht gerade das seine Intention ist. Der Labelwahnsinn von Post-Punk bis Folk will hier partout nicht greifen. Und das ist auch gut so! Wenn man den Klang dieses Werkes adäquat beschreiben wollte, könnte man ihn als experimentell elektronisch angehauchten Indie-Rock bezeichnen, der, zugegebenermaßen, zunächst etwas befremdlich bis gewöhnungsbedürftig erscheint, den Hörer aber von Sekunde eins an, auf magische Art und Weise, in seinen Bann zieht. Doch selbst diese Beschreibung wäre zu einengend...
Der teils dezente, teils sehr auffällige Einsatz von Elektronik macht aus diesem Album ein einzigartiges Juwel, das in keiner Plattensammlung fehlen sollte. Ein Rest Wintermelancholie an immer länger werdenden Tagen.